Zentrum für soziale und berufliche Rehabilitation ( Reha-Zentrum )

 

 

Für wen ist das Reha-Zentrum da? 

Das Angebot des Reha-Zentrums richtet sich an erwachsene Menschen mit einer seelischen Erkrankung, die in einer Wohneinrichtung leben oder Unterstützung durch einen Anbieter des Betreuten Wohnens erhalten. Sie müssen bereit sein, mindestens an drei Tagen in der Woche zwei Stunden teilzunehmen.

Aufnahmeverfahren

Mit jedem Bewerber wird – in der Regel gemeinsam mit Betreuer/in oder Mitarbeiter/in des Betreuten Wohnens – ein Informationsgespräch geführt. Bei anhaltendem Interesse wird möglichst zeitnah ein 14-tägiges Praktikum vereinbart. Im Rahmen eines Aufnahmegespräches im Anschluss an das Praktikum kann die Klärung der Kostenübernahme mit dem Landschaftsverband Rheinland bzw. der ARGE erfolgen.

Mitarbeiter/innen

Das umfangreiche Angebot des Reha-Zentrums fordert ein qualifiziertes Mitarbeiter-Team: Eine Diplom-Sozialarbeiterin als Bereichsleitung, mehrere Ergotherapeuten, eine handwerkliche Fachkraft mit psychiatrischer Erfahrung und eine studentische Hilfskraft.

Alle sechs Wochen findet eine Teamsitzung statt, in der ausführlich die bestehenden Arbeitsangebote und Freizeitaktivitäten überdacht und angepasst sowie die Reha-Pläne der Klienten beraten werden.

Ziele

Überwinden der sozialen und beruflichen Einschränkungen, die durch die seelische Erkrankung entstanden sind, Verhütung von Verschlimmerung und Förderung der sozialen und beruflichen Inklusion (Eingliederung in die Gesellschaft), insbesondere durch

  • Schaffung einer klaren Tagesstruktur mit Förderung und Beschäftigung,
  • Förderung und Erhalt bzw. Wiedergewinnung an Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
    in unterschiedlichen Lebensbereichen (z.B. Körperhygiene, Nahrungsaufnahme,
    persönliche, manuelle und kreative Fähigkeiten),
  • Erwerb und Erhalt praktischer Kenntnisse und Fähigkeiten zur beruflichen Teilhabe,
  • Förderung und Erhalt der Kommunikationsfähigkeit und Teilnahme am
    gemeinschaftlichen Leben,
  • Förderung und Erhalt von Handlungskompetenz bei der Gestaltung der eigenen
    Freizeit,
  • Förderung und Erhalt der Teilhabe am sozialen Lebensumfeld,
  • Förderung und Erhalt der Gesundheitsvorsorge,
  • Förderung und Erhalt der Beweglichkeit und körperlichen Gesundheit.

 
Inhaltliche Arbeit

Die Arbeit mit den Klienten erfolgt auf der Grundlage eines individuell erarbeiteten Rehabilitationsplanes mit Zielen zur sozialen und beruflichen Rehabilitation, um seelisch kranken Menschen zum Beispiel zum selbständigeren Leben oder zum Besuch einer Werkstatt für behinderte Menschen zu befähigen. Diese Ziele werden mit den Klienten und in Zusammenarbeit mit der zuständigen Fachkraft des Betreuten Wohnens aus dem Individuellen Hilfeplan (IHP) übernommen.

Im Zentrum steht hierbei jeweils der Klient mit seinen Wünschen und Fähigkeiten und seiner Lebensplanung. Die IHP-Ziele werden ergänzt durch Fähigkeitsprofile mit Selbst- und Fremdeinschätzung (in Anlehnung an MELBA und ICF). Auf dieser Grundlage entsteht der persönliche Reha-Plan: eine Beschreibung von Trainingsmaßnahmen in den verschiedenen Lebensbereichen, um die gewünschten sozialen und beruflichen Ziele zu erreichen. Im Reha-Plan wird festgelegt, welche Maßnahmen von den Fachkräften des Betreuten Wohnens begleitet werden und welche im Reha-Zentrum stattfinden.

Das zentrale Element unserer Arbeit bildet die Beziehung zu den Klienten. Zur qualifizierten Begleitung sowie Fortschreibung des Reha-Planes finden in regelmäßigen Abständen Einzelgespräche mit den Klienten statt, die von dem Bezugsmitarbeiter geführt werden. Diese sollen auch Raum für psychosoziale Hilfen bieten.

Das Reha-Zentrum ist für viele Klienten der erste Schritt, wieder zu einer Tagesstruktur mit einer sinngebenden Beschäftigung zu finden, für viele auch ein erster Schritt auf dem Weg zur beruflichen Wiedereingliederung. Die berufliche Förderung kann in die Überleitung in eine Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) münden. Nach erfolgreich absolviertem mehrwöchigem Praktikum wird der Klient bis zur Aufnahme in die WfbM begleitet. Nachsorge im Sinne von Kurzbesuchen finden ebenfalls Berücksichtigung.

Die sozialpsychiatrischen Aufgaben reichen je nach Indikation von Hilfen zur Bewältigung des Alltags über Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten bis zur Weiterentwicklung des sozialen Netzwerks. Hauptziel des Reha-Zentrums ist die Vermittlung der Normalität eines nichtpsychiatrischen Lebens. Es werden ressourcenorientierte Strukturen und Qualitäten des täglichen Lebens vermittelt, so dass die Klienten in die Lage versetzt werden, ein selbständigeres und eigenverantwortlicheres Leben führen zu können und Lebensqualität zu genießen.

Betreuungsleistungen und Angebote

Folgende Betreuungsleistungen in Form von Einzel- und/oder Gruppenangeboten stehen den Klienten zur Verfügung:

Verpackung 

 
Der Tätigkeitsbereich dieser Gruppe umfasst das Verpacken von Schuhkissen. Die Arbeiten werden in sechs Teilschritten fertig gestellt und entsprechend der individuellen Fähigkeiten den Klienten übertragen.

Voraussetzung für eine sorgfältige Erledigung des Arbeitsauftrages ist die Einrichtung eines übersichtlich und klar strukturierten Arbeitsplatzes. Da es sich zum Teil um Gefahrenstoffe handelt, muss der sachgerechte Umgang den Klienten vermittelt werden und die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften gewährleistet sein. Arbeitskleidung wird vorgeschrieben!

Die Arbeitsanforderungen liegen schwerpunktmäßig in den Bereichen Feinmotorik, Konzentration, Ausdauer, Schnelligkeit sowie Teamarbeit. Das Erkennen komplexer Arbeitsabläufe sowie der Aufbau einer angemessenen Arbeitshaltung bekommt in dieser Arbeitsgruppe eine zentrale Bedeutung. Motivierend an dieser Arbeit wirkt der Sinnbezug zu den gefertigten Produkten, die schnellen Erfolgserlebnisse durch das sichtbare Ergebnis sowie der soziale Rahmen der Arbeitsgruppe. Schon nach kurzer Einarbeitungszeit zeigen die Klienten in der Regel ein hohes Maß an Eigenmotivation, Selbstständigkeit und Zufriedenheit. Über einen längeren Zeitraum durchgeführt, bietet diese Arbeit einen hohen Trainingseffekt und kann die Klienten auf die Arbeit in einer Werkstatt für behinderte                                                                 Menschen (WfbM) vorbereiten.

Hauswirtschaftliche Tätigkeit



Im Vordergrund dieser Arbeitsgruppe steht die Förderung alltagspraktischer Fähigkeiten und somit die soziale Rehabilitation. Durch die Erlangung bzw. Wiedererlangung von lebenspraktischen und hauswirtschaftlichen Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten kann ein höheres Maß an Selbstvertrauen und Selbstsicherheit sowie Selbstständigkeit im Alltag erreicht werden.

Die Arbeitsgruppe besteht aus drei Klienten, deren tägliche Aufgabe darin besteht, ein Mittagessen für etwa 15 Personen zuzubereiten. Diese Aufgabe beinhaltet die Rezeptauswahl unter der Berücksichtigung, abwechslungsreich, frisch, gesund und günstig zu kochen, den Einkauf und somit den verantwortungsvollen Umgang mit Geld, den sachgerechten Umgang mit Lebensmitteln, die Nahrungszubereitung auch unter der Berücksichtigung hygienischer Vorgaben sowie begleitende hauswirtschaftlich-organisatorische Tätigkeiten wie zum Beispiel Planung der Arbeitsschritte unter Einhaltung der Zeitvorgaben, Spülen, Aufräum- und Putzarbeiten, Müllentsorgung, Haushaltspflege sowie Wäschepflege. Die ständig wechselnden Aufgaben und die gemeinsam zu tragende Verantwortung erfordern kontinuierlich neue Absprachen und somit ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit.

Handwerklich-kreative Gruppe

In dieser Arbeitsgruppe kommen handwerklich-kreative Techniken unter Berücksichtigung der kompetenzzentrierten Methode zum Einsatz. Die kompetenzzentrierte Methode umfasst einen ergebnisorientierten Ansatz mit prozesshaften Anteilen. Hierbei führt der Klient ausgewählte handwerkliche Techniken zum motorischen, sozio-emotionalen oder kognitiven Training aus, um verloren gegangene oder nicht vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten (wieder-) zu erlernen und zu üben. Dabei orientiert sich die Begleitung dieses Beschäftigungsbereiches an dem Ziel, erlernte Tätigkeiten und Fähigkeiten transparent zu machen und dem Klienten zu helfen, diese auf seine persönliche Situation und Zielsetzung zu übertragen. Die im Rahmen des Arbeitsprozesses entstandenen Produkte werden für den Verkauf oder Eigengebrauch angefertigt.

Mögliche Grobziele

  • Förderung der Grundarbeitsfähigkeit (z.B. Pünktlichkeit, Verlässlichkeit,Ausdauer, Konzentration, Aufmerksamkeit),
  • Verbesserung der Ich-Funktion (z.B. Entscheidungsfähigkeit, Interesse, Initiative),
  • Steigerung der Selbstständigkeit,
  • Steigerung der Handlungsplanung und Durchführung,
  • Verbesserung der psychischen und physischen Belastbarkeit,
  • Beherrschung instrumenteller Fertigkeiten (z.B. Umgang mit Werkzeugen),
  • Verbesserung manueller Fähigkeiten (z.B. Fingerfertigkeit),
  • Verbesserung der Selbsteinschätzung,
  • Stärkung des Realitätsbezuges.

Mögliche Sozialformen

  • Einzelarbeit in der Gruppe,
  • Partnerarbeit,
  • Gruppenarbeit,
  • Projektarbeit.

Medien und Maßnahmen

  • handwerkliche Techniken mit verschiedenen Werkstoffen und Materialien wie Ton, Holz, Stein,
  • kreativ-gestalterische Techniken und Mittel wie Farben,
  • Tätigkeiten zur Alltagsbewältigung und Erweiterung der Handlungskompetenz wie z.B. Planung, Bestellung oder Einkauf von Materialien, Besuch der Bibliothek,
    Recherche im Internet,
  • Bildungsmaßnahmen, z.B. Lese- und Rechtschreibtraining,
  • Übungsangebote zum Training kognitiver Fähigkeiten wie z.B. Hirnleistungstraining, Spiele,
  • Computertraining.

Garten


Die Gartenarbeiten umfassen die Pflege und Gestaltung der Gartenanlage sowie der Außenanlagen des Wohnheimes Haus Vivaldi. Inhalte sind leichte gärtnerische Tätigkeiten und landwirtschaftliches Arbeiten.

Da die meisten Klienten, die sich für diesen Arbeitsbereich interessieren, bereits über Erfahrungen oder Vorkenntnisse verfügen, bietet dieser Arbeitsbereich emotionale Sicherheit. Die Klienten bekommen die Möglichkeit, im direkten Kontakt mit den Elementen Wasser, Erde und Luft sowie mit Temperaturunterschieden zu stehen. Die Gartenarbeit spiegelt durch den Kontakt mit Wachstum und Veränderung eine sehr ursprüngliche und bodenständige Arbeitssituation wider. Die Orientierung an der Natur und die Rückbesinnung auf die eigene menschliche Natur öffnet den Weg zur Normalität und Gesundheit.

 

 

 

Gemeinschaftsfördernde Freizeit- und Bewegungsangebote
Als einen wichtigen Bestandteil der sozialen Rehabilitation sehen wir die Einnahme gemeinsamer Mahlzeiten an. Die Klienten können sowohl vor Arbeitsbeginn an einem Frühstück als auch am Mittag an einem Mittagessen teilnehmen. Neben der Vermittlung der Wichtigkeit einer regelmäßigen und gesunden Nahrungsaufnahme steht hier auch die Vermittlung einer Tisch- und Esskultur als Gemeinschaftserlebnis und Steigerung der Lebensqualität im Vordergrund.

Alle drei Monate finden Ausflüge und Besichtigungen mit der gesamten Gruppe statt. Einmal im Monat werden Ausflüge in Kleingruppen in die nähere Umgebung unternommen. Darüber hinaus findet einmal in der Woche in Kleingruppen ein Bewegungsanbot statt bei dem Spiel, Spaß und Bewegung im Vordergrund stehen. Angebote vor Ort wie Spaziergänge, Schwimmen oder Eislaufen werden hierbei genutzt. Aktuell werden unter Einbeziehung der Tagespresse und des Internets von Klienten Monatsaushänge zur Nutzung öffentlicher Bildungs- und Kulturangebote erstellt.

 

Rahmenbedingungen
Die Angebote des Zentrums für soziale und berufliche Rehabilitation können von Montag bis Donnerstag von 8 bis 15 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 14 Uhr von derzeit 30 Teilnehmer/innen genutzt werden. Unter Berücksichtigung der zeitlichen Mindestanforderung, die der Kostenträger vorgibt, werden die Arbeitszeiten individuell nach persönlicher Vorstellung und Belastbarkeit sowie nach persönlichem Wunsch und persönlicher Zielsetzung vereinbart. Am Monatsende werden die geleisteten Arbeitstunden mit 40 Cent pro Stunde entlohnt.

Die Tagesstruktur bietet einen verbindlichen Zeitrahmen und verlässliche Ansprechpartner und vermittelt so Sicherheit, Orientierung und auch emotionale Stabilität. Der Tagesrhythmus ist in einen Wechsel von 45 Minuten Arbeitszeit und 15 Minuten Pause in vier Arbeitseinheiten am Vormittag sowie zwei Arbeitseinheiten am Nachmittag eingeteilt. Eine Mittagspause mit der Möglichkeit, gegen eine Kostenpauschale eine warme Mahlzeit einnehmen zu können, ist in der Zeit von 12.30 Uhr bis 13.30 Uhr gegeben.

Der Klient verpflichtet sich, persönliche Termine außerhalb der Arbeitszeiten zu legen bzw. sich frühzeitig abzumelden. Es wird erwartet, dass sich Besucher des Reha-Zentrums im Krankheitsfall vor Arbeitsbeginn telefonisch melden und ab dem dritten Tag eine ärztliche Krankschreibung vorlegen. Allen Klient/innen stehen im Jahr 30 Urlaubstage zur Verfügung. Diese müssen spätestens einen Tag vor Antritt schriftlich in Form eines Urlaubsscheines beantragt und genehmigt werden. Alle Absprachen werden innerhalb einer Arbeitsvereinbarung schriftlich festgehalten.

 

 

Kontakt

 

Alexandra Hönnekes-Bathel

 

Leitung Alexandra Hönnekes-Bathel
Friedenstraße 46
46483 Wesel
(Standort auf Google Maps anzeigen)


Tel. 0281-95 99 188
a.hoennekes@spix-ev.de