Die Tagesstätte

 

 

Das Angebot der Tagesstätte richtet sich an chronisch seelisch erkrankte oder behinderte Menschen, für die ohne dieses Angebot der Aufenthalt in einer Klinik oder in einem Heim notwendig wäre, die aber anderseits mit der Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen (noch) überfordert sind und für die ein offenes Kontakt – und Beratungsangebot nicht ausreicht. Sie leiden an erheblichen Beeinträchtigungen des gesamten seelischen Befindens, die nicht nur zur Berufs – und Erwerbsunfähigkeit, sondern auch oftmals zu einem Rückzug aus dem Gemeinschaftsleben geführt haben.
Eine geringe Belastbarkeit, mangelnde Fähigkeit zum Einhalten von Absprachen und Ähnliches sind Begleiterscheinungen dieser Behinderung und sind kein Hinderungsgrund für die Aufnahme. Die Tagesstätte verfügt über 15 Plätze.

Voraussetzungen

Das Aufnahmealter erstreckt sich vom 18. bis zum 60. Lebensjahr.
Der Besucher verpflichtet sich, möglichst an fünf Tagen (mindestens drei) die Tagesstätte zu besuchen und sich an den Angeboten entsprechend seinen Fähigkeiten zu beteiligen. Alle Absprachen werden innerhalb einer „Besuchervereinbarung“ schriftlich festgehalten. In Ausnahmefällen kann vorübergehend ein Fahrdienst eingerichtet werden.

Aufnahmeverfahren

Mit jedem Bewerber wird ein Informationsgespräch geführt. Falls eine Bewerberin oder ein Bewerber sich zum Tagesstättenbesuch entschließt, wird eine Probezeit von zwei Wochen vereinbart. Konnte in der Probezeit eine ausreichend stabile Arbeitsgrundlage geschaffen werden, erfolgt nach zwei Wochen das Aufnahmegespräch. Bei dem Aufnahmegespräch soll erkennbar werden, dass der Besuch der Tagesstätte der Schritt in eine an Arbeitsabläufen orientierte Einrichtung ist und dass damit Anforderungen verbunden sind.

 

 

Sozialpsychiatrische Ziele der Tagesstätte

Der Besuch der Tagesstätte ist für fast alle Besucher der erste Schritt, die Isolation zu überwinden und wieder zu einer eigenen Tagesstruktur mit einer sinngebenden Beschäftigung zu finden. Für viele ist er auch ein erster Schritt auf dem Weg zur beruflichen Wiedereingliederung. Die sozialpsychiatrischen Aufgaben reichen je nach Indikation von Hilfen zur Bewältigung des Alltags über Stabilisierung, kommunikative Stützung und lebensbegleitende Dienste bis zur Erprobung und Förderung individueller Fähigkeiten und Belastbarkeiten.

Hauptziel der Tagesstätte ist die Vermittlung der Normalität eines nicht von Krankheit beherrschten Lebens. Es werden ressourcenorientierte Strukturen und Qualitäten des täglichen Lebens vermittelt, so dass die Besucher in die Lage versetzt werden, wieder ein weitgehend selbstständiges und eigenverantwortliches Leben führen zu können.

Neben täglichen Anwesenheitslisten werden in regelmäßigen Abständen Einzelgespräche geführt, in denen kurz-, mittel- und langfristige Ziele gemeinsam mit den Klienten erarbeitet und festgelegt werden. Bestehende Betreuungsinhalte und vorherige Absprachen werden hierbei überprüft.

 

Tages- und Wochenstruktur

Die Tagesstätte ist montags bis donnerstags von 8 – 15 Uhr, freitags von 8 – 14 Uhr geöffnet. Sie bietet tagesstrukturierende Angebote mit niedriger Zugangsschwelle in drei aufeinander aufbauenden Phasen :

  • Stabilisierung
    • selbstständige Bewältigung alltäglicher Lebenssituationen
    • Vermeidung weiterer Krankenhausaufenthalte
  • Förderung der vorhandenen Fähigkeiten
  • Vorbereitung
    • auf eine berufliche Fördermaßnahme oder Ausbildung
    • auf die Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen 

Arbeits- und Beschäftigungsbereiche

Aktivitätsgruppe
Bei der Aktivitätsgruppe handelt es sich um ein freies Angebot, dass sich an drei bis sechs Personen richtet. Die Teilnehme und Teilnehmerinnen finden sich für einen festgelegten Zeitpunkt, der sich über Tage, Wochen oder Monate erstrecken kann, zu einer halboffenen Gruppe zusammen.

Mögliche Angebote sind:

  • handwerklich orientierte Gruppen ( verschiedene Materialien, Gartenarbeiten )
  • künstlerisch-kreativ orientierte Gruppen (gestalterische Techniken)
  • körperorientierte Angebote (z. B. Sport, Entspannung, Tanz)
  • kognitive Trainingsangebote (z.B.Literaturkreis, Spiele)
  • themenzentrierte Angebote (z.B. Selbstsicherheitstraining)
  • Sozialtraining (z.B. Behördenbesuche)
  • Außenaktivitäten (z.B. Nutzung öffentlicher Bildungs- und Kulturangebote)

Die Inhalte und die festgelegten Rahmenbedingungen (Methoden und Sozialformen) bestimmen die jeweilige Ausrichtung, den Charakter und die Zielsetzungen des Angebotes.
Da diese stark variieren, können unterschiedlichste Fertigkeiten und Fähigkeiten beziehungsweise. Bedürfnisse im sozialen, emotionalen sowie im kognitiven Bereich angesprochen und gefördert werden.
Darüber hinaus kann die Aktivitätsgruppe ein Forum bieten, aktuelle Bedürfnisse oder Wünsche der BesucherInnen aufzugreifen.

Cafeteria
Die Cafeteria bietetsechs Klienten die Möglichkeit, hauswirtschaftliche und organisatorische Fähigkeiten zu erlernen, auszuprobieren und zu erweitern. Das Anforderungsniveau der Cafeteria beinhaltet sowohl einfache alltägliche lebenspraktische Aufgaben als auch komplexe hauswirtschaftliche Tätigkeiten.
Selbstbefähigung und soziale Integration sollen durch das Erlangen bzw. Wiedererlangen von Selbstvertrauen und Selbstsicherheit im Alltag erreicht werden.

Die tägliche Aufgabe besteht darin, eine Mahlzeit für bis zu 20 Personen zu planen, den Einkauf zu bewältigen und das Essen zu einer festgelegten Uhrzeit fertigzustellen. Das beinhaltet den sachgemäßen Umgang mit Lebensmitteln – einkaufen, anpflanzen, lagern, konservieren - sowie die Erfüllung weiterer hauswirtschaftlich und organisatorischer Aufgaben wie etwa Spülen, Aufräum- und Putzarbeiten und Waschen.
Wichtigstes Ziel dieses Bereiches ist, dass die Klienten lernen, die Tätigkeiten auf ihren eigenen Haushalt zu übertragen.

Konfektionierung und Verpackung
Die Gruppe steht jedem Klienten offen, der sich auf die Eingliederung beziehungsweise Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess des allgemeinen Arbeitsmarktes oder auf einen betreuten Arbeitsplatz in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) vorbereiten möchte.
Der Tätigkeitsbereich dieser Gruppe umfasst das Verpacken von Pflegeprodukten, Schrauben und Dübeln sowie das Konfektionieren von Federklapp-, Hohlraum- und Kippdübeln. Die Arbeiten können entsprechend den individuellen Fähigkeiten in Teilschritten oder in Form komplexer Einzelaufgaben fertiggestellt werden.
Die Arbeitsanforderungen liegen schwerpunktmäßig in den Bereichen Feinmotorik, Konzentration und Ausdauer.
Über einen längeren Zeitraum durchgeführt, bietet die Arbeit einen hohen Trainingseffekt.
Motivierend an dieser Arbeit wirkt die Abwechslung und Abgrenzung von anderen Arbeitsbereichen der Tagesstätte, der Sinnbezug zu den gefertigten Produkten, die schnellen Erfolgserlebnisse durch das sichtbare Ergebnis, die geforderte Teamarbeit sowie der soziale Rahmen dieser Arbeitsgruppe.
Meist schon nach kurzer Einarbeitungszeit erleben die Klienten ein hohes Maß an Eigenmotivation, Selbständigkeit und Zufriedenheit.

Gartengruppe
Die Gartengruppe richtet sich an vier Klienten, bei denen eine berufliche Rehabilitation oder eine Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt oder in eine beschützende Tätigkeit realistisch erscheint und somit eine Belastungserprobung im Vordergrund steht.

Die Anforderungen der Gartengruppe bestehen darin, sich an fünf Tagen in der Woche täglich fünf Stunden ausdauernd einem geregelten Arbeitsablauf zu stellen. Die Arbeitsinhalte sind sehr unterschiedlich. Sie beinhalten sowohl theoretische Unterweisungen als auch gärtnerische Tätigkeiten bis hin zur komplexen Planung und Gestaltung eines Gartens.
Gemeinsam mit den Klienten wird ein individueller Rehabilitationsplan mit klar definierten Zielen erstellt.

 

Freizeitangebote

Neben den Beschäftigungsangeboten bietet die Tagesstätte zusätzlich am Nachmittag dreimal in der Woche ein breites lebenspraktisches und freizeitgestaltendes Programmangebot wie zum Beispiel Schwimmen, Computerkurse, Außenaktivitäten, Spiele oder Sozialtraining an. Einmal im Quartal finden ganztägige Ausflüge in die nähere Umgebung statt. Darüber hinaus werden einmal im Jahr sozialtherapeutische Ferienmaßnahme angeboten.

Die einzelnen Maßnahmen ergeben so ein umfassendes und differenziertes Wochenprogramm mit Beschäftigungszeiten, Freizeitangeboten, Ruhezeiten und gemeinsamen Mahlzeiten. Durch eine vorsichtige Auseinandersetzung mit den Bedingungen der eigenen Lebenssituation wird die Fähigkeit, die eigenen Kompetenzen zu erfahren und zu entwickeln, wieder neu belebt.

 

Kontakt


Andrea Wagmann

Teamleiterin: Andrea Wagmann

Kaiserring 16
46483 Wesel
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Tel.:0281-16333-13
Fax: 0281-16333-29
 a.wagmann@spix-ev.de